Donau IV (2006)

Ankunft in Belgrad

Wir sind wieder unterwegs. Da die Bahn unsere Fahrräder nicht transportieren will sind wir mit dem Flugzeug unterwegs. Schon mittags sind wir in Belgrad. Für den Weg ins Zentrum nehmen wir uns ein Taxi, denn die Einfahrtsstrasse nach Belgrad haben wir im letzten Jahr genossen.

Dummerweise haben wir die Adresse unserer Jugendherberge nicht dabei, und weder der Taxifahrer noch die Taxizentrale kennt sie. Also Zwischenstopp in einem Internetcafe und die Adresse rausgesucht . So finden wir doch unser Quartier.

Von der Herberge sind wir begeistert. In einer ruhigen Seitenstraße mit einem gemütlichen Garten. Nach den sehr hektischen letzen Tagen bleiben wir „zu Haus“ im Garten und gehen nur zum Abendessen in ein nahegelegenes Lokal.

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Belgrad

Da wir die Stadt vom Vorjahr schon etwas kennen, fühlen wir uns heute schon fast wie zu Hause. Nach einem Stadtbummel lagern wir unsere Füße am Strand hoch.

Das Highlight des Vormittages ist, dass wir die Fahrradkarten von Belgrad zum Schwarzen Meer von Kartografie Huber, Maßstab 1:100 000, in einer belgrader Buchhandlung finden. Dann führt uns der Weg zur Festung, wo wir einen wunderbaren Ausblick auf Donau und Save genießen, und auch für längere Zeit die letzten Touristen sehen. Den Nachmittag verbringen wir am „Save-Strand“, wo wir schon vorbeugend die Füße im Liegestuhl hochlagern.

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Belgrad – Durdevo

Über eine abenteuerliche Brücke wechseln wir ans nördliche Donauufer. Den Rest der Strecke legen wir großteils am Donaudamm zurück.

Die Brücke über die Donau ist sehr stark befahren, allerdings gibt es einen Gehsteig, der zwar etwas „löchrig“ ist, aber mit dem Fahrrad benützbar ist. Unmittelbar nach der Brücke zweigt der Weg auf den Donaudamm rechts ab, und bereits hier werden wir von einer wunderbaren Aulandschaft begrüßt. Die kleinen Städte und Orte Pancevo, Starcevo und Omoljica nützen wir zum Einkaufen und Rasten. Am Donaudamm radeln wir weiter bis Durdevo, wo es unglaublicherweise mitten im Nirgendwo einen Campingplatz gibt.

Es ist ein Camping-Club, der eigentlich nur von „Einheimischen“ besucht wird, wir dürfen trotzdem dort übernachten.

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Durdevo – Veliko Gradiste

Den Großteil der Strecke radeln wir auf Schotter- und unbefestigten Wegen, direkt an der Donau. Mit der Fähre wechseln wir wieder das Ufer und kommen letztlich nach 82 km erschöpft am Zeltplatz an.

Heute ist der heißeste Tag unserer Tour, und auf den schlechten Wegen des Donaudammes werden wir richtig geröstet. Die Bademöglichkeit, die laut Karte einige Kilometer nach Kovin bestehen sollte, können wir nicht finden, die ersehnte Rast im Schatten gibt`s erst in Dubovac, wo wir anscheinend die Attraktion des Tages sind, und entsprechend beobachtet werden. Bei Stara Palanka wechseln wir mit der Fähre ans andere Ufer, und bewundern die Donau, die hier wirklich sehr breit ist. Von Ram sind es noch ca. 15 km bis Ramski rit, einer „Freizeitanlage“ kurz vor Veliko Gradiste, wo wir campieren.

Während wir letzte Nacht gratis geschlafen haben, verlangt man hier 10 Euro von uns, ein Preis, der, wie wir am nächsten Morgen feststellen, keinesfalls mit der offiziellen Preisliste übereinstimmt. Wenn auch nicht wirklich teuer, fühlen wir uns trotzdem etwas über den Tisch gezogen.

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Velico Gradiste – Brnjica

Die Straße gehört uns fast allein, der wildromantische Zeltplatz gehört uns ganz allein.<br />Etwa 20 km nach Veliko Gradiste kommen wir nach Golubac, der erste Ort bisher, in dem noch starke Spuren des Donau-Hochwassers vor etwa 6 Wochen zu sehen sind. Sandsäcke links und rechts der Straße und Schäden an Straßen und Häusern prägen das Bild. Die Einheimischen haben sich offenbar schon daran gewöhnt, denn die Kinder balancieren vergnügt auf den Sandsack-Dämmen. Ab hier ändert sich die Landschaft, steile Felswände ragen direkt neben der Straße in die Höhe. Kurze Zeit glauben wir, schon am Eisernen Tor angekommen zu sein, das wir natürlich erst viel später erreichen werden.

Die Nacht verbringen wir auf einem noch nicht fertiggestellten Campingplatz ca. 6 km nach Brnjica mit herrlichem Ausblick auf die Donau und einem privaten, sehr zuverlässigen Wachhund, der die ganze Nacht direkt vor dem Zelteingang liegt.

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Brnjica – Kladovo

Nach einer erholsamen Nacht auf dem bisher idyllischsten Campingplatz, wird „unser“ treuer Wachhund mit einer Knackwurst belohnt. Für uns gibt´s fürs erste kein Frühstück da die Vorräte nicht reichen, was wir aber unterwegs nachholen wollen.

Das Frühstück gibts an einem Imbisstand bei einem Freilichtmuseum einige Kilometer weiter. Da am Balkan eine Mahlzeit ohne Fleisch entweder keine Mahlzeit oder eine Frechheit darstellt, gibts deftige Würstel zum Frühstückskaffee. Das Freilichtmuseum, das zur gleichen Zeit von 3 Schülerausflugsbussen besucht wird besichtigen wir aus Zeitgründen nicht, denn mit dem Eisernen Tor wartet eine der Hauptsehenswürdigkeiten dieses Donauabschnitts auf uns.

Vom Freilichtmuseum aus nehmen wir die alte Straße, die uns durch eine enge Klamm und durch Bilderbuchlandschaft führt. In Donji Milanovac gibts ein ausgezeichnetes Mittagessen in einem Restaurant, dessen Besitzer als ehemalige Gastarbeiter in Deutschland sogar deutsch sprechen, was uns die Bestellung sehr erleichtert. <br />Das <a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Tor“ mce_href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Tor“ target=“_blank“>eiserne Tor</a> ist von der Straße aus nicht soo beeindruckend, da wir die Engstelle recht weit oben am Hang passieren. Aber auch so ist kaum zu verstehen, dass die vor kurzem noch beeindruckend breite Donau durch diese Engstelle passt. Die Straße führt uns in schöner Regelmäßigkeit vom Flußniveau zu Aussichtspunkten und wieder zurück.

Bei der Abfahrt vom folgenden Pass sehen wir ein sehr gestresstes Schwein auf der Flucht vor zwei Tankwagen. Nachdem die Gefahr durch die Tankwagen durch Ausweichen auf die Gegenfahrbahn gebannt ist wird die arme Sau von zwei Radfahrern wieder talwärts gehetzt.

Von nun an führt die Straße eben an der Donau entlang zum größten Donaukraftwerk Derdap I. Der Campingplatz und das Hotel im nahen Ort Novi Sip existieren offenbar schon länger nicht. So fahren wir die 15 km weiter nach Kladovo und suchen uns dort ein Quartier in einem typischen Balkanhotel mit Aussicht auf das Kraftwerk.

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Kladovo – Negotin

Bei stürmischem Wetter brechen wir in Kladovo auf, nach einem kurzen Einkauf der Wegzehrung für den heutigen Tag. Wir verlassen für ein paar Stunden das Ufer der Donau und kürzen eine Schleife ab.<br /><br /> Unterwegs machen wir an einem zugigen Plätzchen Rast und verdrücken unsere Vorräte. Durch kleine Ortschaften wie Mihaljovac gehts weiter nach Negotin. In Negotin checken wir im örtlichen Hotel ein. Als wir die Formalitäten erledigt haben, taucht eine Reiseradlerin in der Lobby auf. Hilde kommt aus Oslo und ist unterwegs nach Istanbul. Wir verabreden, dass wir am Abend gemeinsam essen gehen.

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Negotin – Vidin

Von Negotin geht`s über die Grenze nach Bulgarien! Am Nachmittag erreichen wir Vidin.<br /><br /> Nach einem mehrsprachigen Frühstück im Hotel (wir glauben schon fast, wir können Serbisch ;o), brechen wir auf richtung Bulgarien. Es ist ein gemütlicher Rad-Tag mit wenigen Höhenmetern, und schon bald sind wir an der Grenze. Das Desinfektionsbecken, das alle Vogelgrippeviren von unseren Rädern entfernen sollte, umfahren wir dezent. Bulgarien ist uns sofort sympathisch, denn gleich hinter der Grenze sehen wir den ersten Esel.

Bereits am Nachmittag erreichen wir Vidin, eine der bekannteren Städte an der Donau. Die Stadteinfahrt gewährt uns einen Einblick, unter welch schlimmen Bedingungen die Menschen teilweise leben müssen. Durch herabgekommene Plattenbauten suchen wir uns den Weg zur Donau. Froh, am Ziel angekommen zu sein, wählen wir gleich das erstbeste Hotel, Hotel Dunav, das im Führer angegeben ist, was sich als nicht so klug herausstellt. Betten und Kasten sind zwar mit Edelweiß verziert, aber auf dem Teppich geht man nicht freiwillig barfuß.

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Ruhetag Vidin

Bei strömendem Regen entscheiden wir uns, einen Ruhetag einzulegen. Allerdings übersiedeln wir in ein anderes Hotel.

Auf der Suche nach einem guten Frühstück treffen wir Hilde wieder. Sie will trotz des schlechten Wetters weiterfahren, entscheidet sich aber dazu, noch mit uns gemeinsam zu frühstücken. Als sie uns von ihrem tollen Zimmer vorschwärmt, in dessen Badezimmer sie sogar ihr Fahrrad geduscht hat (wahre Liebe), werden wir schwach, und wechseln gleich das Hotel. Zu Mittag wird es schon wieder sonnig, und wir erkunden Vidin. In dieser Stadt sind wir erstmals mit bettelnden Kindern konfrontiert. Zweimal wandert der Rest meines Abendessens direkt in einen kleinen Kinderbauch.

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Vidin – Kozloduj

Bei wechselhaftem Wetter über Lom nach Kozloduj.

Die heutige Strecke unterscheidet sich nun schon deutlich von Serbien, und allem was wir davor gesehen haben. Eselfuhrwerke gehören zum Straßenbild, und die Ortschaften laden teilweise nicht zum Verweilen ein. Archar dürfte zum Beispiel eine Roma-Siedlung sein. Häuser sind großteils im Rohbau, teilweise ohne Fenster und ohne Dach. Die Menschen schützen sich mit Plastikfolien und Unrat vor Nässe und Kälte. Wenige Kilometer weiter kann aber schon wieder alles viel schöner und gepflegter aussehen. Trotzdem ist auch die „Durchzugsstraße“ nach Lom in einem eher schlechten Zustand, mit vielen Schlaglöchern. Seitenstraßen in den Ortschaften sind ab hier prinzipiell nicht mehr befestigt, sondern einfach ein Erdweg.

Lom beeindruckt wieder mit hässlichen Randbezirken und fehlenden Kanaldeckeln. Das Zentrum ist jedoch sehr hübsch. Im Park rasten wir und verzehren genüsslich Hartwurst, Zwiebel und Pfefferoni, wir haben uns also schon an die Kost angepasst. Bald kommen drei Jugendliche mit ihren Fahrrädern, die unsere Räder wirklich bewundern. Wir bitten sie, uns den Weg nach Kovachitsa zu zeigen, und sie fahren ein Stück mit uns mit. Offenbar haben sie ihre Stadt noch nicht oft verlassen, die Aktion endet nämlich mit einem gewaltigen Umweg und einigen zusätzlichen Höhenmetern. Aber es ist trotzdem lustig.

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Kozloduj – Corabia

Mit der Fähre nach Rumänien und durch Hochwassergebiet nach Corabia.<br /><br /> Wir verlassen Kozloduj, das wahrscheinlich nicht zuletzt durch das Atomkraftwerk recht modern und wohlhaben ist (auch unser Hotel ist 1A, mit Essenlieferung auf Zimmer…) und fahren nach Orjahovo. Hier entscheiden wir uns spontan, das Ufer zu wechseln, und die Route in Rumänien weiterzufahren, da wir von dort die bessere Landkarte haben, und die Straße recht direkt und ohne größere Steigungen verläuft. In einer kleinen Raststätte, wo wir auf die nächste Fähre warten, trifft uns das bulgarische Kommunikationsproblem direkt. Als die Kellnerin nämlich endlich kapiert, dass wir vier Portionen Palatschinken möchten, nicken wir zur Bestätigung eifrig mit dem Kopf, was hierzulande allerdings „NEIN“ bedeutet. Letztlich erhalten wir die Palatschinken jedenfalls. Ja, nein, ja, nein…Mist!

Auf der Fähre sind wir neben etlichen Lastwagen die einzigen Radfahrer, und alle interessieren sich für uns. Einer der Lastwagenfahrer will noch am gleichen Tag nach Wien fahren, so klein ist die Welt. In Rumänien kommen wir direkt im Hochwassergebiet an. Bereits links und rechts der Straße nach Bechet steht noch das Wasser, und überall sind Verwüstung und Gestank vorherrschend. Auch hier sind Pferde und Esel auf der Straße, und wir sehen sogar einen richtigen Planwagen. Zum Radfahren sind diese Straßen jedenfalls genial, nicht so hektisch, wie bei uns. In Corabia gestaltet sich die Hotelsuche etwas schwierig. Nachdem wir das „Alptraum-Hotel“ mit Plumpsklo am Gang ablehnen, finden wir doch noch eine tolle Unterkunft, direkt an der Donau, mit sehr stimmungsvollem Sonnenuntergang.

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Corabia – Zimnicea

Von Corabia über Turnu Magurele in die Metropole Zimnicea.

Wir verlassen Corabia und radeln bis Turnu Magurele, wo wir die erste Rast einlegen. In einem kleinen Geschäft versorgen wir uns mit herrlichen Keksen und Saft. Die Stadt und der Park, wo wir auf einer Bank rasten, sind relativ schön und gepflegt. Am Nachmittag geht`s weiter nach Zimnicea. Hier gibt es genau ein Hotel. Es spricht zwar keiner deutsch oder englisch, trotzdem bekommen wir irgendwann ein Zimmer und einen Abstellplatz für die Fahrräder. Beeindruckend ist die Hotel-Lobby, die eher einer riesigen Bahnhofshalle gleicht. Das Zimmer ist aber in Ordnung. Am Abend durchstreifen wir den Ort auf der Suche nach einem Restaurant – erfolglos. Offenbar ist das Hotel-Restaurant, das für uns einen eher geschlossenen Eindruck macht, das Einzige in der Gegend. Dennoch bekommen wir recht gutes Essen serviert.

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Zimnicea – Ruse

Von Zimnicea geht`s durch zahlreiche Ortschaften nach Giurgiu, wo wir über die „Donau-Brücke“ nach Ruse fahren.

Die Straßen und Ortschaften auf dem Weg nach Giurgiu bieten ein uns bereits vertrautes Bild. Esel- und Pferdefuhrwerke am Weg zur Feldarbeit. Auf zahlreichen Feldern sehen wir Menschen bei der Arbeit, und in den Ortschaften begegnen uns Enten, Gänse, Kühe und Esel. Auch die privaten Gärten sind bis auf den letzten Quadratzentimeter bewirtschaftet, und teilweise werden frische Tomaten und Paprika am Straßenrand zum Kauf angeboten.

Im Gegensatz zu dieser kleinstrukturierten Landwirtschaft gibt es aber auch riesige Getreidefelder, die sogar mit dem Flugzeug gespritzt werden! Giurgiu wurde uns im Reiseführer bereits als hässliche Industriestadt vorgestellt. Bis auf die Fabriken am Stadtrand finden wir die Stadt jedoch nicht so schrecklich. Schwierig ist es allerdings, eine Überquerungsmöglichkeit über die Donau zu finden. Eigentlich wollen wir eine der zahlreichen Fähren benützen (Reiseführer), da die Brücke für Fahrradfahrer nicht frei passierbar sein soll. Letztlich stellt sich jedoch heraus, dass es keine Fähre gibt, die Brücke jedoch problemlos zu benützen ist. Etwas erschöpft schlagen wir uns ins Zentrum von Ruse durch.

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Ruse

Unseren Ruhetag verbringen wir mit Essen, Schlafen und ein wenig Sight-Seeing.

Am Vormittag bummeln wir durch die Stadt und stellen fest, dass in den Schaufenstern praktisch die gleiche Mode, allerdings auch zu den gleichen Preisen wie zu Hause zu sehen ist. Außerdem finden wir einen Fahrradhändler, der sich bereit erklärt, Gerhard`s Federgabel wieder mit Luft zu füllen. Danach sitzen wir im Park und in einem sehr modernen Cafe, wo wir Ansichtskarten schreiben.

Im Supermarkt decken wir uns mit Jause für den nächsten Tag ein und sind froh, nicht erschossen zu werden (s. Foto)

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Ruse – Silistra

Heute fahren wir 125 km und ich feiere meinen bisherigen Streckenrekord.

Wir verlassen Ruse. Diesmal finden wir eine bessere Strecke, als in die Stadt hinein (näher an der Donau und weniger Verkehr) und folgen dann den Wegweisern nach Silistra. Wir ahnen schon, dass es ein langer Radtag werden wird, und machen alle 20 km eine kurze Rast, um uns zu stärken. Heute gibt es vor allem „Schul-Kakao“ bis zur Mittagsrast in Tutrakan. Hier setzen wir uns ans Donauufer und bewundern den breiten Fluss. Leider ist es sehr windig und dadurch auch eher kalt. Unterkunftsmöglichkeit drängt sich hier keine auf, deshalb fahren wir weiter. Die Strecke von hier nach Silistra ist relativ eintönig und zu allem Überfluss sehr hügelig. Teilweise rauben uns die Steigungen alle Kräfte.

Im Naturschutzgebiet um Sreburna hoffen wir auf eine Übernachtungsmöglichkeit, aber es gibt kein Anzeichen für Tourismus. Trotzdem rasten wir dort bei einem kleinen Seitenweg und dopen uns mit Schokolade. Typisch ist hier, dass man nie unbeobachtet ist. Nach wenigen Minuten kommt ein Pferdefuhrwerk aus dem Wald mit mindestens 10 Personen drauf, die uns misstrauisch begutachten. Deshalb haben wir auch keine große Lust, irgendwo wild zu campen. Ziemlich erschöpft erreichen wir den Ortsbeginn von Silistra, und werden gleich von einem Schild mit der Werbung für „Hotel Drustar in 5000 m“ begrüßt. Wie ein Countdown ist das Hotel alle paar hundert Meter beworben, dort angekommen sehen wir, dass es sich um ein 5-Stern-Hotel handelt! Eigentlich nicht unsere bevorzugte Kategorie, da wir aber zu müde sind, eine andere Unterkunft zu suchen, beziehen wir das Zimmer, das uns pro Nacht 65 Euro kostet. Also vergleichsweise günstig. Wir genießen das Abendessen auf der Hotel-Terrasse, direkt an der Donau.

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Silistra – Aliman

Wir starten erst spät und erreichen bei Einbruch der Dunkelheit Aliman, wo wir bei einer Schweinefarm zelten.

Eine weitere Nacht im Drustar wollen wir nicht verbringen, und so überlegen wir zwischen einem Hotelwechsel in Silistra und der Weiterfahrt hin und her. Unsere müden Beine wollen das Zimmer nicht vor mittag verlassen, dann radeln wir doch halbherzig weiter über die Grenze richtung Ostrov. Die Straße ist häufig mit Kopfsteinpflaster versehen, und geht ständig relativ steil auf und ab. Die Orte sind unten, dann wieder ein Anstieg etc. Wir besichtigen das Kloster Dervent, wo wir gleich beim Eingang von vier bettelnden Kindern empfangen werden. Da wir kein „Kleingeld“ haben, muss ich in den Klosterladen gehen und mir irgendwas kaufen, nur um zu Wechselgeld zu kommen.

Später haben wir noch ein anderes Erlebnis mit Romakindern. Zu Beginn einer Steigung kommen einige Kinder auf uns zugelaufen und betteln uns an. Wir wollen nicht anhalten, da wir nicht wissen, ob sie nach Erhalt des Geldes auch wirklich verschwinden würden, und radeln eben so gut wie möglich den steilen Berg hinauf. Drei der Kinder laufen in ihren Badeschlapfen mindestens drei Kilometer neben uns her, bis wir oben am Berg angelangt sind, und sie abhängen. In den Ortschaften finden wir keine Übernachtungsmöglichkeit. So fahren wir bis zum Sonnenuntergang (schon wieder 90 km) und fragen dann bei einer Farm, ob wir auf ihrem Grund übernachten dürfen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellt sich heraus, dass die Leute dort sehr nett sind, und wir bekommen sogar Kirschen geschenkt. Im Gegenzug zaubere ich eine Dose Gösser aus der Tasche und überreiche sie dem ungläubig dreinschauenden Rumänen.

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Aliman – Harsova

Über Cernavoda nach Harsova, wobei unterwegs die Straße weggespült ist.

Am Morgen werfen wir noch einen Blick in die völlig verkommenen Baracken neben unserem Zelt und erfrischen uns im Luxus-Waschraum. Die Weiterfahrt nach Cernavoda ist außer der Begegnung mit einem Ziesel ereignislos. Cernavoda ist eine relativ schöne Stadt, und wir landen in einer Pizzeria.

Nach Cernavoda geht`s wieder steil bergauf und auf halber Höhe stehen wir plötzlich vor einem Straßenabbruch. Wir versuchen, eine Umfahrung zu finden, aber erfolglos. (Obwohl es eine geben muss, da wir nach dem Abbruch wieder Autos sehen) So wählen wir den schmalen Weg, der am Hang entlang geht, und heben die Räder über die Stacheldrähte, die den Weg kreuzen.

Da sich unser „Wunschhotel“ bei Ghindaresti als „Horror-Hotel“ herausstellt (nur kleine Hütten zum Schlafen und stinkende Klos im Freien), fahren wir noch bis Harsova weiter.

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Harsova – Tulcea

Der Tag mit über 1000 Höhenmetern, obwohl es eigentlich eben ist.

Von Harsova fahren wir auf einer relativ großen, geraden aber wenig befahrenen Straße nach Tulcea. Links und rechts der Straße nur weite Felder und sanfte Hügeln. Wir treten mit voller Kraft, der Tacho zeigt aber nur 12 km/h an. Die praktisch unsichtbaren Steigungen sind sehr zermürbend, und ich beginne schon, die Nussbäume am Straßenrand zu zählen. Noch 10 Bäume, dann machen wir eine Rast etc. Auch die kleinen Kapellen am Straßenrand gelten heute schon als Abwechslung.

Am letzten Stück nach Tulcea auf der E87 kämpfen wir mit starkem Straßenverkehr, und noch einigen Steigungen durch die Weingärten vor der Stadt. Dafür erwartet uns dann eine steile Abfahrt ins Zentrum. Wir wohnen im Hotel Pelikan.

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Bootstour Donaudelta

Wir bemerken, dass wir mit dem Fahrrad nicht nach Sulina fahren können und erkunden das Delta im Boot.

Am Hafen von Tulcea erwarten uns bereits die Touristenkeiler und wollen uns zu einer Bootstour überreden. Wir wollen uns jedoch vorher objektiv informieren und suchen das Tourist-Büro auf. Dort werden wir sogleich an einen „Freund“ vermittelt, der „das Delta so gut kennt wie kein anderer“ – sehr objektiv also. Um 75 Euro ist die Tour gebucht, und wir fahren 5 Stunden durch das Delta und versuchen, Pelikane zu finden. Diese sehen wir leider nur vorbeifliegen, die Landschaft ist dennoch sehr eindrucksvoll.

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Tulcea – Sulina

Mit dem Schnellboot erreichen wir Sulina und letztlich unser Ziel – das Schwarze Meer.

Die Straße von Tulcea nach Sulina ist bereits seit 5 Jahren mehr oder weniger unter Wasser, der Ort ist nur noch mit Schiffen erreichbar. Also kaufen wir uns ein Ticket für uns und unsere Räder und legen die 70 km bequem am Schiff zurück. Da dies auch für die Bewohner von Sulina die einzige Möglichkeit ist, Besorgungen zu erledigen, wird auf dem Boot alles Mögliche transportiert, sogar Klomuscheln.

Sulina erweist sich als kleiner Ort mit sehr wenigen Straßenkilometern und noch weniger Autos. Wir suchen gleich den Weg zum „Strand“, der bald nur noch eine Sandpiste ist, auf der wir unsere Räder schieben. So erreichen wir das Schwarze Meer – das Ziel unserer Reise. Außer uns sind noch 2 Franzosen hier, ansonsten keine Leute, keine Häuser, Lokale oder irgendetwas. Wir genießen die Einsamkeit und belohnen uns mit einer Tafel Schokolade und Keksen. Dann fahren wir zurück ins „Zentrum“.

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