Donau I (2004)

Auf zum Schwarzwald!

Mit dem Nachtzug nach St. Georgen im Schwarzwald

Müde, aber voller Vorfreude stehen wir um 22.20 am Linzer Bahnhof. Der Nachtzug wird uns, unsere Ente und die Räder nach Baden-Baden bringen, von wo wir mit zwei weiteren Regionalzügen nach St. Georgen im Schwarzwald fahren werden.

Die Suche nach der Donauquelle

Brigach-oder Bregquelle, oder doch Donaueschingen – wir wollen es genau wissen!

Am Anfang der Reisplanung war alles ganz einfach: die Donau entspringt in Donaueschingen, also werden wir unsere Tour auch dort beginnen. Doch was war da genau mit Brigach und Breg…? Ein Blick in den Reiseführer genügt, um zu erfahren, dass der genaue Ursprung des zweitgrößten Flusses Europas nicht genau geklärt ist. Die Breg führt mehr Wasser, im Park in Donaueschingen ist die pompös angelegte Donauquelle. Die wichtige Frage endete damit, dass die offizielle Donauquelle in Donaueschigen verblieb, die Quelle der Breg aber als Donauursprung bezeichnet wird. Die Streitigkeiten um den Ursprung der Donau führten jedoch dazu, dass die Donau der einzige europäische Fluss ist, dessen Kilometrierung stromaufwärts gemessen wird. Wir starten also bei Kilometer 2880!

St. Georgen im Schwarzwald – herrlicher Sonnenschein entschädigt uns für die wenig erholsame Nacht im Zug. Mit der Motivation des ersten Radel-Tages starten wir gleich los, zur Brigach-Quelle. Die Fahrt durch den Schwarzwald beschert uns die meisten Höhenmeter der ganzen Tour. Bei der Breg-Quelle angekommen ist die Kraft bereits draußen und wir fallen ins nächstbeste Wirtshaus. Wer ahnt schon, dass uns Deutschland mit einer absolut radfahrer-unfreundlichen Gastronomie begrüßen wird? Heute stehen jedenfalls Pfifferlinge am Speiseplan – zwar in allen Variationen – dafür gibt es sonst nichts. Weiterfahrt nach Donaueschingen erst nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf auf der grünen Wiese – jetzt geht es wenigstens bergab. In Donaueschingen übernachten wir im Naturfreundehaus. Der Besuch der Donauquelle kann bis morgen warten.

Von Donaueschingen nach Beuron

Von der imposanten Donauquelle in Donaueschingen folgen wir dem jungen Fluss stromabwärts und stellen erstaunt fest, dass die Donau bereits nach wenigen Kilometern wieder verisckert…

Das unvermeidliche Bad unserer Ente in der Donauquelle des fürstenbergischen Parkes macht uns zur Attraktion des Tages für zahlreiche Touristen. Aus dem Park draußen, fahren wir zum Zusammenfluss von Brigach und Breg. Erst ab hier heißt die Donau „Donau“ und wir entlassen die Ente in die Freiheit.

Das nächste Kapitel zum Thema „kulinarische Wüste“ wird in Immendingen geschrieben. Reibekuchen mit Apfelmus und Bratwurst :o(

Beeindruckt sind wir dafür von der Donauversickerung. An über 200 Tagen versickert der Fluss, um dessen Quellen soviel Aufsehen gemacht wird, fast vollständig und fließt unterirdisch in den Bodensee!

Durch traumhafte Landschaft gehts weiter bis Beuron, wo wir erschöpft in einer Pension unterkommen. Nachtruhe heute schon um 20 Uhr.

Riedlingen: am Zeltplatz mit Ungarn

Herrliche Donauauen, betrübliches Mittagessen und ein billiger Zeltplatz, auf dem wir nicht lange alleine sein werden…

Bevor wir wieder richtig losradeln besichtigen wir noch das Kloster in Beuron. Das Donautal zeigt sich heute wieder im besten Licht, und wir bleiben oft stehen, um zu fotografieren. Die Stadt Sigmaringen mit dem von weitem her sichtbaren Schloss lassen wir links liegen, dafür beginnt wenige Kilometer weiter wieder die (bisher meist mäßig erfolgreiche) Jagd nach Essbarem. Wenig überrascht stellen wir fest, dass alle Gasthäuser in der Mittagszeit geschlossen haben, und wir begnügen uns mit (Dosen)Gulasch bei einem Imbiss-Stand. Das Donautal wird jetzt weiter, und wir schaffen es noch bis Riedlingen, wo wir unser Zelt aufstellen. Der Zeltplatz gehört zu einem Bauernhof, kostet uns nur 8 Euro, dafür erinnert der Duschraum noch etwas an einen Kuhstall. Unser vermeintlich ruhiges Plätzchen wird schon bald von einer ungarischen Radlerhorde überfallen, die die Zelte auf „Tuchfühlung“ zu unserem aufstellt und bis spät in die Nacht hinein singt.

Ulm – alles ist relativ

Tour mit kulinarischer Wende nach Ulm, wo uns das beeindruckende Münster und ein allgegenwärtiger Einstein begrüßen.

Nach kleineren Rivalitäten mit einer deutschen Radlergruppe (wer ist schneller) verlassen wir in Ehingen den Radweg – wer glaubt`s – zur Futtersuche. Diesmal lassen wir uns nicht so leicht einschüchtern. Gerhard reicht es jetzt und er überzeugt den Koch eines Sport-Restaurants (nur für Clubmitglieder) extra für uns zu kochen! Mit einer herrlichen Portion Nudeln im Bauch rollen wir bis Ulm. Auf dem Donauradweg gelangen wir mühelos direkt ins Zentrum, wo wir den Abend mit etwas Sight-Seeing verbringen.

Dillingen: erlebnisreiche Nacht im Zelt

Erste Landesgrenze und das tollste Klo in Ulm. Nach Zwischenstopp in Günzburg landen wir am Zeltplatz in Dillingen.

Suche nach öffentlichen Toiletten zähle ich mich durchaus zu den Profis. Ein derart tolles und vollautomatisches Häuschen wie in Ulm sieht man jedenfalls nicht alle Tage, nur Pinkeln muss man noch selbst…Nicht ohne Stolz fahren wir über die erste Grenze unserer Tour, von Baden-Württemberg nach Bayern, wo`s auch mit der Verständigung wieder etwas leichter wird. In Günzburg vertilgen wir Jause aus den Packtaschen und den Kuchen, den Gerhard, wohl um mich zu motivieren, immer am Gepäcksträger vor meiner Nase spazieren führt. Von der Strecke sind wir nach wie vor begeistert, immer wieder duch Wald, auch auf Schotterstraßen, also richtig schöne Natur.

In der Nacht werden wir durch seltsames Knacken und Rascheln vor unserem Zelt geweckt. Ein Zeltnachbar ist eifrig dabei, ein Lagerfeuer zu entfachen. Auf unseren Hinweis: „wir würden gerne schlafen“ (es ist 2 Uhr morgens) meint er nur „das ist aber jetzt schlecht“ und zieht unverrichteter Dinge davon.

106 km bis Ingolstadt

Von Dillingen über Höchstädt, Donauwörth und Neuburg nach Weichering, von wo wir mangels freier Zimmer noch bis Ingolstadt weiterfahren müssen.

Schloss Höchstädt empfängt uns mit einem mittelalterlichen Fest, wo uns eine deftige Brotzeit empfohlen wird, die wir aus radfahrtechnischen Gründen jedoch ablehnen. Die Strecke nach Donauwörth verläuft auf herrlich ruhigen Straßen und zu mittag genießen wir bereits eine Portion Nudeln im dortigen Zentrum. Heute ist es richtig heiß, sogar unter dem Sonnenschirm steht uns der Schweiß auf der Stirn. Nach einer kurzen Besichtigung der wirklich sehr schönen Stadt gehts weiter nach Neuburg. Wir entscheiden uns, noch etwas weiterzufahren und decken uns im Supermarkt mit Jause und Getränken ein. In den leuchtenden Farben der Abendsonne radeln wir am Jagdschloss Grünau vorbei, nach Weichering. Hier wollten wir eigentlich übernachten, es sind jedoch alle (drei) Pensionen voll. Nach 106 km kommen wir müde am Campingplatz in Ingolstadt an. Der ist leider teuer (21 Euro/Person) und hat außer grauenhaften Duschen nicht viel zu bieten.

Durch die Weltenburger Enge nach Kelheim

Viele Schafe, viele Touristen, ab nach Kelheim.

Statdbesichtigung von Ingolstadt. Ein Polizist hält uns in der Fußgängerzone auf und meint: „schieben wär billiger“. Glücklicherweise verzichtet er auf die Maut, und wir verlassen die Stadt fluchtartig. Die einsamen Auen sind uns ohnehin lieber, auch wenn sie von Schafen bevölkert sind, die zum Trinken zur Donau getrieben werden. Der nächste Massenauflauf erwartet uns beim Donaudurchbruch, wo zahlreiche Touris mit Schiffen durch die Weltenburger Enge gekarrt werden. Für uns kommt eine Schiff-Fahrt nicht in Frage, immerhin wollen wir ja die GANZE Strecke vom Schwarzwald zum Schwarzen Meer radeln. Nach einer (laut Radführer fast unmenschlichen) Steigung genießen wir die Aussicht auf die Befreiungshalle und nach Kelheim, wo wir mit einem Eis belohnt werden.

Übernachtung in Kelheimwinzer, in einer Pension direkt am Radweg

Regensburg und Walhalla

Trotz vieler Sehenswürdigkeiten in Regensburg und einem Besuch der Walhalla legen wir wieder 70 km zurück. Das Wasser der Donau verweilt doch auch nicht…

Wiedereinmal bringt uns der Donauradweg problemlos ins Zentrum einer Großstadt. Regensburg erwartet uns mit der steinernen Brücke (älteste noch funktionsfähige Brücke über die Donau), dem Dom und anderen beeindruckenden Bauwerken. Das Schieben der bepackten Fahrräder durch die engen Fußgängerzonen interessiert uns bald nicht mehr und wir brechen nach einer Mittagspause wieder auf. Als weitere Attraktion besuchen wir die Walhalla. Ein Ehrentempel im griechischen Stil für „rühmlich ausgezeichnete Deutsche“. Auf die Besichtigung der Büsten im Inneren des Tempels verzichten wir und genießen die tolle Aussicht zur Donau. Müde von fast allzuviel Kultur geht es weiter nach Wörth.

Am Morgen werden wir durch eifriges Sägen und Klopfen geweckt. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass die Geräusche aus der angrenzenden Fleischerei kommen! Jetzt weiß ich auch, warum es in unserem Zimmer nach (ehemaligem) Stall riecht…

Volksfest in Deggendorf

Wörth – Straubing – Deggendorf

Von Wörth geht es heute (gottseidank) mit weniger Kultur durch kleine Ortschaften nach Deggendorf. Am Weg zum Zeltplatz kommen wir zum Deggendorfer Volksfest, das später noch von uns besucht wird.

Lustige Begegnung mit anderen Radfahrern am Zeltplatz. Alle jammern darüber, dass ihnen der Hintern so weh tut. Uns nicht…Hi, Hi.

Erstes Etappenziel Passau

Deggendorf – Vilshofen – Sandbach – Passau

Die Fährfahrt bei Sandbach ist das Highlight der heutigen Fahrt. In Passau machen wir uns gleich auf die Suche nach dem Campingplatz an der Ilz, der uns wärmstens empfohlen worden ist. Der Platz ist wirklich herrlich, ein reiner „Zelt“-Platz, besiedelt von lauter „verrückten“ Radfahrern.Die erste Etappe unserer Donautour beschließen wir feierlich und müde im Cafe Roses. Am nächsten Tag gehts per Schiff zurück nach Linz.

Schifffahrt nach Linz

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